b_150_0_16777215_00_images_stories_Bilder_alte_Kirche_1.jpg Einige Daten und Gedanken über die Entstehung der Pfarrkirche in Seelisberg, bis zur heutigen Feier.

1262 Am 7. März wird Cinglin (Seelisberg) urkundlich das erstemal genannt. In dieser Urkunde erwähnt Papst Urban IV. das Kloster Rathausen ZH und dessen Besitzungen, so auch den jährlichen Zehnten: „ ufen Cinglin in den Stöcken, uf dem buel bei der Kilkon“.

1284 In dieser Urkunde hat die Aebtissin des Fraumünsters Zürich mit dem Pfarrer von Altdorf eine Uebereinkunft bezüglich des Pfarrgehaltes erstellt. Wobei die Aebtissin sich nebst anderem vorbehält, „Pfarr- und Seelgrät in Cinglin“.

Daraus geht hervor:
1. Im Cinglin stand damals schon ein Gotteshaus.
2. Das Gotteshaus war Tochterkirche von Altdorf.
3. War das Gotteshaus mit den Einwohnern steuerpflichtig nach Rathausen und Zürich (Zehnte).

 


1359 Der Pfarrkirche Altdorf verleihen 13 Bischöfe von Avignon einen Ablass von 40 Tagen. Da war auch Cinglin als Tochterkirche von Altdorf inbegriffen. Aber nur unter der Bedingung, sofern der Diözesanbischof einverstanden ist.

1360 Der Diözesanbischof Niklaus von Konstanz hat auf Anfrage der Bewohner von Cinglin diese Bewilligung gegeben.

1370 Der Generalvikar des Bischofs von Konstanz erteilt erneut ein Ablassbrief.

b_150_0_16777215_00_images_stories_Bilder_Kirche_alt_innen.jpg 1418 Am 4. März konnten sich die Seewlisperger für 34 rheinische Gulden von der Abtei Fraumünster Zürich loskaufen, unter der Bedingung, dass die Kirchgenossen von Seewlisperg den Geistlichen selber besolden und das Gotteshaus unterhalten. Ferner hatten die Kirchgenossen mit ihrem jeweiligen Geistlichen jährlich am Tag vor Christi Himmelfahrt dem Pfarrer zu Altdorf sich vorzustellen, und ihm einen Schilling auszuhändigen. Wofür der Pfarrer sie als seine Untertanen mit einer Mass gemeinen Weins bewirten soll. In diesem Loskaufsbrief erscheint zum ersten Mal der Name Seelisberg. Wie Seelisberg als Filiale von Altdorf zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde, dafür fehlen schriftliche Belege und Nachrichten. Diese Dokumente waren im Pfarrarchiv in Altdorf abgelegt. Sie sind beim zweimaligen Brand von Altdorf verloren gegangen.

1452 Am 7. Januar haben die Seelisberger auch vom Kloster Engelberg die Ablösung der Zehntenpflicht für 12 ½ Gulden erhalten. Waren sie doch zinspflichtig für die sogenannten Spreitenbachschen Güter. (Grundstücke auf Emmetter-Gemeindegebiet westlich des Spreitenbachs).



1457 Am 8. August tritt Seelisberg als Pfarrei auf. In einer Urkunde bestätigt Johannes, der Generalvikar des Bischofs Heinrich IV. von Konstanz, dass er die Pfarrkirche von Seewlisperg, ihr Fundament, ihren Altar und den Friedhof neu geweiht habe.

In der ersten Kapelle, die ungefähr aus 1284 stammte, gab es nur einen Altar. Sie war in drei Jahrhunderten stark baufällig geworden. 20 Jahre lang hatte man hin und her über einen Neubau geredet.

b_150_0_16777215_00_images_stories_Bilder_Kreuz_Friedhof.jpg 1546 Am 20. Mai hat Bischof Johannes von Konstanz die neue Michaelskirche eingeweiht. Die bezügliche Weihe-Urkunde ist in der Kirchenlade (Pfarreiarchiv), ebenso ein Ablassbrief des Kardinals Schinner aus dem Jahre 1517, dem zu entnehmen ist, dass genannter Kirchenfürst, auf die Bitten eines gewissen Andreas Furrer hin, selber einen bedeutenden Baustein spendete. Diese 1545 erbaute Kirche war 390 Jahre lang, bis zum Abbruch im August 1935, das Gotteshaus von Seelisberg.

Dieses Kreuz wurde beim Entfernen der Beinhaus-Kapelle 1913 in die Mauer gestellt und später zu den Pfarrgräber versetzt.



1621 Die Kirche wurde vergrössert und restauriert. Bei Anlass dieser Vergrösserung legte man auf sämtliche Güter der Gemeinde eine Steuer, und Herr Landammann von Roll, als Besitzer der Beroldingschen Güter, wurde durch Richterspruch vom 8. November 1632 ebenfalls zur Entrichtung derselben angehalten.

1819 Man verlängerte die Kirche um eine Fenster-Länge. Zweimal musste der Glockenturm im oberen Teil neu gemacht werden.

1860 Durch die Anschaffung der neuen Glocken war es nötig, die Glockenstube zu vergrössern.

1935 Am 14. April waren die Kirchgenossen von Seelisberg recht erstaunt, als Herr Pfarrer Alois Herger, den Antrag zum Bau einer neuen St. Michaels-Kirche stellte. Nach zaghafter Diskussion, aber schliesslich einstimmig, entschlossen sich die Kirchgenossen für einen Neubau.

Ein Modell in Miniatur mit Plänen und Kostenvoranschlag, 250'000 Franken, ausschliesslich Strasse, Orgel und figürliche Malereien, lagen vor. Den Baubeginn legte man auf Frühherbst fest. Damit konnte man den Einheimischen über Herbst, Winter und Frühling Arbeit verschaffen. Es brauchte sicher viel Mut, in dieser Krisenzeit ein solches Bauwerk zu erstellen.

In 4 Nächten, am 4. und 5. Juli und 16. und 19. August, wurden die Leichen, die um das Kirchlein gebettet waren, exhumiert und in den neuen Friedhof übertragen. Am Sonntag 11. August nahm die Pfarrei Abschied vom alten Kirchlein, und in feierlicher Prozession wurde das Allerheiligste in die Wallfahrtskapelle getragen.

Am 12. August begann der Abbruch, am 23. August stürzte der Turm zusammen.

Am 29. September war die Grundsteinlegung. Die neue Kirche steht umgekehrt, das Portal zum See gerichtet. In der neuen Kirche sind 400 Sitzplätze, statt 200 wie in der alten Michaels-Kirche.



Die neue Michaels-Kirche ist 15 m breit, 37 m lang und der Turm stolze 37 m hoch.

Als Baustein wurde der Hürlimann-Stein aus Brunnen verwendet. Die Tragmauern sind 90 cm dick. Das Holz vom ganzen Dachstuhl wurde aus der Gemeinde Seelisberg genommen, hier gefällt, hier verarbeitet, hier gesägt und hier gezimmert. Die Schreinerarbeiten sind an die drei Schreiner von Seelisberg verteilt worden. Die Altäre stammen vom Hospentaler Serpentinwerk und der Granit von Gurtnellen. Somit wurde die Arbeit in Betrieben der Gemeinde oder mindestens im Kt. Uri ausgeführt. Die Bauzeit betrug 13 Monate und 9 Tage, inklusiv der Arbeitsunterbruch von 4 Wochen im Januar und März.

Die 4 Glocken sind von der alten Kirche übernommen worden. Sie stammen von 1863 und Karl Rosenlächer in Konstanz hatte für sie damals Fr. 4753.— in Rechnung gestellt, das Umgiessen von 2 bisherigen inbegriffen.

Die erste, die grosse Glocke ist dem hl. Michael geweiht. Taufpaten waren: Herr Pfarrer Furrer und Frau Josefa Zwyssig im Ebnet.

Die zweite Glocke, die Maria und Ursula heisst, ist unter dem Namen „Wisiglocke“ bekannt. Taufpaten waren: Regierungsrat Michael Truttmann und Marianna Truttmann Oberhofstatt.

Die dritte Glocke ist der hl. Jungfrau und Märtyrerin Agatha geweiht. Taufpaten waren: Regierungsrat Franz Josef Aschwanden im Wiler und Agatha Aschwanden vom Furli.

Die vierte Glocke, die Aloisius heisst, bittet bei hereinbrechender Nacht um das Vaterunser für die armen Seelen. Taufpaten waren: Gemeindeschreiber Fr. Jos. Huber und Marianna Infanger-Wyrsch.

Die vier Meter hohe Skulptur des Kirchenpatrons St. Michael ist vom Hergiswiler Bildhauer J. Von Wyl erstellt worden.

Der Tabernakel ist ein Werk von Goldschmied Huber aus Luzern und Schlosser Griesemer aus Altdorf. H. Paul Goll aus Luzern lieferte die neue elektro-pneumatische Orgel. Die Zinnpfeifen an der Vorderfront, sowie die kleineren dahinter, sind neu, dagegen stammen die Holzpfeifen aus der alten Orgel. Die Taufkapelle ist in den Turm eingebaut, und der Altar der schmerzhaften Gottesmutter geweiht. Die Bilder in der Kirche wurden vom Kunstmaler Augustin Maria Bächtiger von Gossau geschaffen.

1936 Am 9. September waren die Umgebungsarbeiten vollendet, somit konnte am 20. September der hochwürdige Bischof Laurentius Matthias Vinzenz die Konsekrierung der Kirche vornehmen.

Die Baukommission: Präsident Pfarrer Alois Herger; Mitglieder: Pfarrhelfer Rob. Frank, Landrat Josef Truttmann, alt Gemeindepräsident Alois Truttmann Waldegg, alt Gemeindepräsident Josef Aschwanden Hostet, Ratsherr Josef Truttmann Oberhofstatt und Dorfvogt Hermann Gisler.


Die Beinhaus-Kapelle

b_150_0_16777215_00_images_stories_Bilder_Beinhaus-Kapelle_alt.jpg Neben der alten Pfarrkirche war die Beinhaus-Kapelle. 1457 bei der Weihe der Pfarrkirche Seelisberg hat die Beinhaus-Kapelle sicher nicht bestanden. Dafür ist im Jahrzeitenbuch von 1626 festgehalten: „Andreas Truttmanns Tochter hat gäben 1 Kronen, mer hat die gäben an das Beinhaus 1 Gulden.“

Somit darf man annehmen, dass die Beinhaus-Kapelle in dieser Zeit erstellt wurde.

Nach Ablauf der Grabesruhe wurde das Grab wieder besetzt und der Schädel der Toten in der Beinhaus-Kapelle auf ein Gestell gelegt und beschriftet.

1647 ist in den Annalen vermerkt, dass die Kapelle mit einem Altar ausgestattet war.

Hier hat man für die Armen Seelen Messe gelesen. Das Altarbild zeigte eine Pieta, dazu St. Nikolaus und die hl. Barbara. ( Pieta = Darstellung Marias mit dem Leichnam Christi auf dem Schoss.)

Altar und Gemälde fanden in der Berg-Kapelle auf der Waldnacht in Erstfeld eine Bleibe. Das Beinhaus-Glöcklein wurde 1739 in Zug gegossen. Johann Truttmann spendete 109 Gulden.

1913 als der Friedhof vergrössert wurde, hat man die Beinhaus-Kapelle abgebrochen. An deren Stelle wurde ein Kreuz in die Mauerflucht eingebaut, und beim Neubau der Pfarrkirche zu den Pfarrgräbern versetzt.

b_150_0_16777215_00_images_stories_Bilder_Friedhofkapelle.jpg 1994 wurde an der Kirchgemeinde der Neubau der Friedhofkapelle beschlossen. Am Dreifaltigkeits-Sonntag, 11. Juni 1995, hat sie unser Herr Pfarrer Othmar Hugentobler feierlich eingeweiht.

 

b_150_0_16777215_00_images_stories_Bilder_Totoenkapelle_2.jpg Das Innere der Friedhof-Kapelle ist geschmückt mit den Statuen des hl. Erzengels Michael und der hl. Ursula. In der Mitte der gekreuzigte Heiland, zu Füssen die hl. Maria und der Apostel Johannes.

Die Kosten für die neue Friedhofs-Kapelle betrugen Fr. 353'000.— inklusive Zufahrt und Umgebungsarbeiten.